Der Boeing 787 Dreamliner ist das Langstreckenflugzeug, in dem du auf Flügen ab Deutschland heute am wahrscheinlichsten sitzt. Boeing hat bis Mitte 2026 rund 1.300 Exemplare ausgeliefert, fast jede große Airline im Nahen Osten, in Asien und Nordamerika fliegt ihn. Für dich als Passagier bringt der Typ echte Vorteile mit: größere Fenster, mehr Luftfeuchtigkeit, weniger Druck auf den Ohren, weniger Lärm. Und einen bekannten Nachteil in der Economy Class.
Dazu kommt eine Geschichte, die man kennen sollte: Batteriebrände 2013, Qualitätsprobleme im Werk in South Carolina, ein Whistleblower vor dem US Senat und im Juni 2025 der erste Totalverlust mit 260 Toten in Indien.
Drei Längen, ein Flugzeug: Die Varianten des 787
Den 787 gibt es in drei Längen. Die kurze Version ist knapp 57 Meter lang und fasst laut Boeing je nach Bestuhlung 200 bis 275 Passagiere. Die mittlere Version misst knapp 63 Meter und ist mit 250 bis 325 Sitzen die meistverkaufte. Die lange Version kommt auf gut 68 Meter und 300 bis 375 Sitze, hat aber die geringste Reichweite. Alle drei haben dieselbe Kabinenbreite. Innen merkst du den Unterschied nur an der Zahl der Reihen.
Der Rumpf besteht zur Hälfte aus Kohlefaserverbundstoff, also Carbon. Das ist kein Marketingargument, sondern der Grund für zwei der Vorteile, die du in der Kabine spürst.
Boeing 787 Sitzplan: Warum die Economy Class eng ist
Boeing hatte den 787 ursprünglich mit acht Sitzen pro Reihe in der Economy Class konzipiert, also 2 4 2. Fast alle Airlines haben sich stattdessen für neun Sitze entschieden, 3 3 3. Damit bleiben pro Sitz rund 43 Zentimeter, bei Qatar Airways laut eigenen Angaben 40,8 bis 43,9 Zentimeter bei einem Sitzabstand von 76 bis 81 Zentimetern. Die einzige Ausnahme über Jahre war Japan Airlines mit 2 4 2. Das ist der bekannte Kritikpunkt am Dreamliner: Die Kabine ist etwas breiter als beim A330, aber die Airlines stecken einen Sitz mehr hinein. An Hüfte und Schulter hast du weniger Platz als im A350, der meist mit 3 3 3 und rund 45 Zentimetern fliegt.
Auf einem Nachtflug von neun Stunden merkst du das. Hast du auf derselben Strecke die Wahl, ist der A350 in der Economy Class meist bequemer. Wenn nicht, hilft ein kluger Platz, was dabei zählt, steht in unserem Artikel zum besten Sitzplatz im Flugzeug. Beim 787 werden die letzten Reihen bei vielen Airlines zu 2 3 2, dort bekommst du am Fenster einen Zweiersitz.
In der Business Class hängt alles von der Airline ab. Lufthansa bekommt ihre neuen 787 mit der Allegris Kabine, die ersten fünf gebrauchten Maschinen haben ältere Sitze. Qatar Airways fliegt auf der mittleren Version 1 2 1 mit Türen, auf Teilen der kurzen Version 2 2 2. Die QSuite von Qatar Airways, die wir ausführlich getestet haben, gibt es im 787 nicht. Wer sie will, muss auf A350 oder Boeing 777 achten.
Dreamliner Fenster: Größer und ohne Blende
Die Fenster des 787 messen rund 27 mal 47 Zentimeter und sind damit deutlich größer als in jedem anderen Verkehrsflugzeug. Sie sitzen höher im Rumpf, sodass du auch vom Mittelsitz aus den Horizont siehst. Eine Blende gibt es nicht. Stattdessen dimmst du das Glas über einen Knopf unter dem Fenster in fünf Stufen bis zu einem tiefen Blau, durch das du die Landschaft noch schemenhaft erkennst. Das dauert je nach Temperatur bis zu einer Minute.
Die Crew kann alle Fenster zentral dimmen und tut das auf Nachtflügen meist nach dem Essen, dein Knopf ist dann gesperrt. Wer lichtempfindlich schläft, packt eine Schlafmaske ein, denn der dunkelste Modus lässt mehr Licht durch als eine klassische Blende.
Boeing 787 Kabinendruck und Luftfeuchtigkeit: Der Unterschied nach der Landung
Bei den meisten Verkehrsflugzeugen herrscht in Reiseflughöhe ein Kabinendruck, der etwa 2.400 Metern Höhe entspricht. Beim 787 sind es rund 1.800 Meter. Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt weniger stark, Kopfdruck und das dumpfe Gefühl nach zehn Stunden Flug fallen milder aus. Der Carbonrumpf hält den höheren Druckunterschied ohne Ermüdung aus.
Aus demselben Grund darf die Luft feuchter sein. Carbon rostet nicht, deshalb liegt die Luftfeuchtigkeit im 787 bei etwa 15 Prozent statt bei rund 4 Prozent in älteren Mustern. Das ist immer noch trockener als jede Wüste, aber trockene Augen, rissige Lippen und ein kratziger Hals sind spürbar seltener. Dass der 787 den Jetlag verhindert, ist ein Mythos. Die Zeitverschiebung bleibt dieselbe, du kommst nur weniger ausgetrocknet an.
Leiser und ruhiger: Triebwerke und Turbulenzdämpfung

Am Gate erkennst du den 787 an der gezackten Hinterkante der Triebwerksverkleidung. Diese Zacken, Chevrons genannt, mischen den heißen Abgasstrahl sanfter mit der Umgebungsluft. Boeing gibt an, dass der 787 an der Flughafengrenze unter 85 Dezibel bleibt. In der Kabine ist er merklich leiser als eine Boeing 777 oder ein A340, vor allem hinten.
Weniger bekannt ist die Turbulenzdämpfung, bei Boeing Gust Alleviation genannt. Sensoren messen vertikale Böen, die Flugsteuerung bewegt in Sekundenbruchteilen Flaperons und Höhenruder dagegen. In leichter bis mittlerer Turbulenz hüpft das Flugzeug spürbar weniger. Bei schwerer Turbulenz hilft das System nicht, der Anschnallgurt bleibt dein wichtigster Schutz. Was Turbulenzen physikalisch sind und warum sie dem Flugzeug nichts anhaben, liest du im Artikel über Turbulenzen im Flugzeug.
Ist die Boeing 787 sicher? Die Bilanz ohne Beschönigung
Der 787 flog von 2011 bis Juni 2025 ohne Totalverlust. Trotzdem war der Weg nicht glatt. Im Januar 2013 brannten bei zwei Maschinen in Boston und Japan die Lithium Ionen Batterien. Die FAA legte die gesamte Weltflotte still, erst im April 2013 durfte der 787 mit einem neuen Batteriegehäuse wieder fliegen. Verletzt wurde niemand.
Das zweite Kapitel betrifft die Fertigung im Werk North Charleston in South Carolina. Schon 2019 meldeten KLM, Etihad und Singapore Airlines lose Sitze und fehlende Bolzen in neuen Flugzeugen, KLM sprach laut aeroTELEGRAPH von Qualität weit unter dem akzeptablen Standard. Danach fand Boeing zu große Spalten an Rumpfverbindungen. Von Januar 2021 bis August 2022 gingen in 21 Monaten nur 14 Flugzeuge an Kunden, die FAA entzog Boeing zeitweise das Recht, Flugzeuge selbst abzunehmen. Im April 2024 sagte der Boeing Ingenieur Sam Salehpour vor dem US Senat aus, Rumpfteile seien mit Gewalt zusammengefügt worden, was die Lebensdauer verkürzen könne. Boeing widerspricht und verweist auf Belastungstests, einen Flugstopp gab es nicht.
Air India Flug 171: Was die Untersuchung bisher sagt
Am 12. Juni 2025 stürzte eine kurze Version des 787 von Air India kurz nach dem Start in Ahmedabad ab. 241 der 242 Menschen an Bord und 19 am Boden starben. Die indische Untersuchungsbehörde AAIB hat am 12. Juli 2025 einen Vorbericht veröffentlicht. Danach wechselten beide Treibstoffschalter etwa drei Sekunden nach dem Abheben innerhalb einer Sekunde von RUN auf CUTOFF, beide Triebwerke verloren Schub. Auf dem Stimmenrekorder fragt ein Pilot den anderen, warum er abgeschaltet habe, der andere verneint. Zehn und vierzehn Sekunden später standen die Schalter wieder auf RUN, für ein Wiederanlassen reichte die Höhe nicht.
Der Vorbericht enthält keine Empfehlung an Boeing oder die Betreiber. Er erwähnt eine FAA Mitteilung von 2018, wonach die Verriegelung dieser Schalter bei einigen Boeing Typen fehlerhaft montiert sein könnte; die freiwillige Prüfung hatte Air India nicht durchgeführt. Im Juli 2026 teilte die indische Regierung dem Parlament mit, die Untersuchung des Schalters habe keinen Defekt ergeben. Den Abschlussbericht hat die AAIB gegenüber dem Obersten Gericht Indiens als Entwurf für Oktober 2026 angekündigt. Warum die Schalter bewegt wurden, ist offiziell nicht geklärt, alles darüber hinaus ist Spekulation. Keine Behörde hat den Typ eingeschränkt.
Ein Unfall in 14 Jahren bei über 1.300 gebauten Flugzeugen bleibt eine sehr gute Bilanz. Den Vergleich mit anderen Mustern findest du im Artikel zum sichersten Flugzeug der Welt.
Welche Airlines den 787 ab Deutschland fliegen
Lufthansa hat ihren ersten 787 am 30. August 2022 in Frankfurt übernommen, bis 2027 bekommt die Gruppe 32 Maschinen. Im Sommer 2026 fliegt der Typ ab Frankfurt laut Frankfurtflyer 14 Ziele, darunter New York, Los Angeles, Toronto, Kapstadt, Shanghai und Delhi. Daneben triffst du den Dreamliner bei diesen Airlines an deutschen Flughäfen, wobei sich der Einsatz saisonal ändert und ein Blick in die Buchungsmaske vor dem Kauf sinnvoll ist:
- Qatar Airways: 51 Dreamliner, ab Berlin und je nach Flugplan auch ab Frankfurt und München nach Doha
- Etihad: zwei tägliche Flüge Frankfurt nach Abu Dhabi, weitere Einsätze ab München und Düsseldorf
- Ethiopian Airlines: Frankfurt nach Addis Abeba, im Wechsel mit dem A350
- LATAM: Frankfurt nach São Paulo
- Air Europa: einzelne Flüge von Frankfurt und München nach Madrid
- Austrian, KLM, TUI, United, American und Air Canada auf einzelnen Strecken
Ich bin den 787 selbst mit Qatar Airways ab Berlin geflogen, die Bilder in diesem Artikel stammen vom Flughafen BER.
Häufige Fragen zum Boeing 787 Dreamliner
Woran erkenne ich, ob ich in einem 787 sitze?
An den großen Fenstern ohne Blende und an der gezackten Triebwerksverkleidung. In der Buchung steht meist „Boeing 787“ oder „Dreamliner“.
Ist der 787 nach dem Air India Absturz noch sicher?
Keine Luftfahrtbehörde hat den Typ eingeschränkt. Die AAIB hat bisher keinen technischen Defekt benannt, der Abschlussbericht steht aus.
Welcher Sitz ist im 787 in der Economy Class am besten?
Ein Fensterplatz in den hinteren Reihen, wo die Bestuhlung auf 2 3 2 wechselt. Mittelsitze im 3 3 3 Block sind die schlechteste Wahl.
Hilft der niedrigere Kabinendruck wirklich gegen Jetlag?
Nicht gegen den Jetlag selbst, der hängt von der Zeitverschiebung ab. Du kommst aber weniger ausgetrocknet und mit weniger Kopfdruck an.
Hat Qatar Airways im 787 die QSuite?
Nein. Im 787 gibt es je nach Version eine 1 2 1 Business Class mit Türen oder eine ältere 2 2 2 Kabine. Die QSuite fliegt auf A350 und Boeing 777.
Fazit
Der Boeing 787 Dreamliner ist für Passagiere ein besseres Flugzeug als seine Vorgänger: leiser, ruhiger in Turbulenzen, mit mehr Luftfeuchtigkeit, weniger Kabinendruck und Fenstern, die den Namen verdienen. Der Preis ist eine Economy Class, die durch 3 3 3 enger ist als im A350. Bei der Sicherheit gilt: Batterieproblem gelöst, Fertigungsqualität ein berechtigter Kritikpunkt, ein tödlicher Unfall mit offener Ursache. Wer den Sitzplan vor dem Buchen prüft und hinten am Fenster sitzt, holt aus dem 787 das Beste heraus.

