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Airbus oder Boeing sicherer? Unfallstatistik 2026 im Vergleich

Airbus oder Boeing, was ist sicherer? Die Kurzantwort vorweg: Statistisch liegen beide Hersteller so nah beieinander, dass der Unterschied für dich als Passagier praktisch keine Rolle spielt. Deutlich wichtiger sind Airline, Wartung und Crew. Warum Boeing trotzdem öfter in den Schlagzeilen steht, was die Unfallzahlen von 2023 bis 2025 wirklich zeigen und worauf du beim Buchen achten kannst, erkläre ich dir hier mit den aktuellen Daten.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Beide Hersteller sind extrem sicher. In den Langzeitwerten pro Million Flüge trennen Airbus und Boeing nur Nachkommastellen.
  • Fliegen bleibt die sicherste Reiseart. 2025 lag die Unfallrate laut IATA bei 1,32 pro Million Flüge, das statistische Todesrisiko bei etwa 1 zu 11,5 Millionen.
  • 2024 und 2025 waren trotzdem schwere Jahre. Die Unglücke von Jeju Air und Air India haben die Opferzahlen steigen lassen, beides waren Boeing-Muster, die Ursachen liegen aber nicht automatisch beim Hersteller.
  • Die Airline ist wichtiger als der Flugzeugtyp. Wartungskultur, Crew-Training und Sicherheitsaudits machen den messbaren Unterschied.

Die Unfallzahlen 2023 bis 2025 im Überblick

Wer die Frage nach Airbus oder Boeing seriös beantworten will, braucht zuerst das Gesamtbild. Das Aviation Safety Network zählt für die zivile Luftfahrt (Flugzeuge ab 14 Sitzen) diese Entwicklung:

JahrTodesopfer weltweitEinordnung
202372eines der sichersten Jahre der Geschichte
2024334geprägt vom Jeju-Air-Unglück in Südkorea (179 Tote)
2025418geprägt vom Air-India-Absturz in Ahmedabad (260 Tote)

Wichtig beim Lesen solcher Tabellen: Je nach Quelle unterscheiden sich die Zahlen leicht, weil unterschiedlich gezählt wird. Die IATA kommt für 2025 auf 394 Todesopfer an Bord bei 51 Unfällen, das Aviation Safety Network zählt inklusive der Opfer am Boden 418. Beide Statistiken beschreiben dasselbe Jahr, nur mit verschiedenen Abgrenzungen.

Und so schlimm die Einzelunglücke waren, das Gesamtsystem wurde 2025 sogar besser: Die Unfallrate sank auf 1,32 pro Million Flüge, statistisch passiert also erst nach rund 760.000 Flügen überhaupt ein Unfall. In Europa lag das Todesrisiko für Passagiere 2025 bei null. Und zum erst zweiten Mal in der modernen Luftfahrtgeschichte gab es weltweit keinen einzigen Absturz durch Kontrollverlust im Flug. Das Risiko, bei einem Flug ums Leben zu kommen, liegt heute bei etwa 1 zu 11,5 Millionen. In den 1970er Jahren war es mit 1 zu 264.000 mehr als vierzigmal höher.

Airbus oder Boeing sicherer: die Langzeitstatistik pro Modell

Ein fairer Herstellervergleich schaut nicht auf einzelne Jahre, sondern auf tödliche Unfälle pro Million Flüge über die gesamte Einsatzzeit eines Musters. Die Langzeitauswertungen, unter anderem aus dem Statistical Summary von Boeing selbst, zeigen für die wichtigsten Modelle:

ModellfamilieTödliche Unfälle pro Million Flüge (Langzeitwert)
Boeing 737NG0,08
Airbus A320-Familie0,10
Boeing 7670,10
Airbus A340bislang kein tödlicher Unfall
Airbus A380bislang kein tödlicher Unfall

Du siehst das Muster: Die Unterschiede bewegen sich in Nachkommastellen, und je nach Modell liegt mal Boeing, mal Airbus vorn. Bei den ganz neuen Mustern wie A320neo, A350 oder Boeing 787 sind die Werte noch niedriger, allerdings ist deren Datenbasis jünger. Eine pauschale Antwort, welcher Hersteller sicherer baut, geben diese Zahlen nicht her. Wenn dich interessiert, welche einzelnen Muster besonders gut dastehen, findest du die Details in meinem Artikel über das sicherste Flugzeug der Welt.

Warum Boeing trotzdem öfter in den Schlagzeilen steht

Das Bauchgefühl vieler Reisender sagt trotzdem: Boeing hat ein Problem. Das kommt nicht von ungefähr, denn die großen Negativschlagzeilen der letzten Jahre betrafen fast alle Boeing-Muster:

  • 2018/2019, Boeing 737 MAX: Zwei Abstürze mit 346 Toten, verursacht durch das fehlerhafte Steuerungssystem MCAS. Weltweites Flugverbot für rund 20 Monate, danach Rückkehr mit überarbeiteter Software und neuen Trainingsvorgaben.
  • Januar 2024, Alaska Airlines: Bei einer 737 MAX 9 reißt im Steigflug ein Türverschlusspaneel heraus. Es gab keine Verletzten, aber der Vorfall legte Qualitätsprobleme in der Fertigung offen und brachte Boeing eine verschärfte Aufsicht durch die FAA ein.
  • Dezember 2024, Jeju Air: Eine Boeing 737-800 verunglückt in Südkorea bei einer Notlandung nach Vogelschlag, 179 Menschen sterben. Die Unfallschwere hing auch mit einem massiven Hindernis direkt hinter der Landebahn zusammen, ein Faktor, den die IATA seitdem branchenweit anmahnt.
  • Juni 2025, Air India: Eine Boeing 787 stürzt kurz nach dem Start in Ahmedabad ab, 241 Menschen an Bord sterben, dazu 19 am Boden, ein Passagier überlebt. Es war der erste tödliche Absturz einer 787 überhaupt. Was zur Ursache bekannt ist, habe ich in meiner Analyse zum Air-India-Absturz zusammengefasst.

Zur ehrlichen Einordnung gehören aber zwei Dinge. Erstens: Nicht jedes Unglück mit einem Boeing-Muster ist ein Boeing-Fehler. Vogelschlag, Infrastruktur am Flughafen oder Abläufe im Cockpit haben mit dem Hersteller nichts zu tun. Zweitens: Die MAX-Krise und das Türpaneel waren sehr wohl hausgemachte Probleme, und Boeing steht deshalb zu Recht unter verschärfter Beobachtung von Behörden und Airlines. Genau diese Beobachtung ist aus Passagiersicht aber auch eine gute Nachricht, denn kaum ein Flugzeug wird heute so genau geprüft wie eine ausgelieferte 737 MAX.

Die Technik: Fly-by-Wire gegen Pilotenflugzeug

Der größte Konstruktionsunterschied steckt in der Steuerungsphilosophie. Airbus setzt seit den 1980ern konsequent auf Fly-by-Wire: Der Pilot gibt seine Eingaben über einen Sidestick an Computer, die sie prüfen und notfalls begrenzen. Das System verhindert zum Beispiel, dass die Maschine in einen Strömungsabriss gesteuert wird. Boeing hielt länger an der konventionellen Steuerung fest, bei der der Pilot das letzte Wort behält, und modernisiert schrittweise. Beide Philosophien haben Vor- und Nachteile, und beide erfüllen dieselben Zulassungsstandards von EASA und FAA. In der Unfallstatistik lässt sich kein klarer Sicherheitsvorsprung der einen oder anderen Schule nachweisen.

Worauf es wirklich ankommt: Airline, Wartung, Crew

Die Daten aller großen Auswertungen zeigen seit Jahren dasselbe: Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Airline ist um ein Vielfaches größer als der zwischen Airbus und Boeing. Airlines mit IOSA-Sicherheitszertifizierung der IATA schneiden in den Unfallstatistiken messbar besser ab, und die regionalen Unterschiede sind enorm: Europa kam 2025 auf ein Passagier-Todesrisiko von null, während einzelne Regionen wie Teile Afrikas deutlich schlechter dastehen. Wenn du also etwas für dein Sicherheitsgefühl tun willst, achte auf eine etablierte Airline mit moderner Flotte, nicht auf das Logo am Rumpf. Ein Sicherheitsthema, das du dagegen selbst in der Hand hast, sitzt im Handgepäck: Warum Lithium-Akkus an Bord so streng geregelt sind, liest du im Ratgeber zur Powerbank im Handgepäck.

Mein Blick als Vielflieger

Ich fliege seit über zehn Jahren regelmäßig und habe dabei in so ziemlich allem gesessen, was Airbus und Boeing an Kurz- und Langstrecke zu bieten haben. Ehrlich gesagt schaue ich beim Buchen längst nicht mehr, welcher Hersteller am Gate steht. Worauf ich stattdessen achte: eine Airline mit gutem Ruf bei Wartung und Pünktlichkeit, und auf der Langstrecke ein möglichst modernes Muster, schlicht wegen Komfort und Kabinenluft. Nach den Boeing-Schlagzeilen der letzten Jahre habe ich mich dabei nie unsicher gefühlt, und die Statistik gibt dieser Gelassenheit recht. Das Bild oben im Artikel ist übrigens auf einem meiner Flüge ab Berlin entstanden.

Fazit: Die Frage ist verständlich, die Antwort beruhigend

Airbus oder Boeing sicherer? Nach allen verfügbaren Daten: keiner von beiden in einem Ausmaß, das für deine Buchung relevant wäre. Die Langzeitwerte trennen Nachkommastellen, die schweren Unglücke der Jahre 2024 und 2025 haben Ursachen, die über die reine Herstellerfrage hinausgehen, und das Gesamtsystem Luftfahrt wurde parallel sogar sicherer. Wenn du deine Energie in eine Entscheidung stecken willst, dann in die Wahl einer soliden Airline. Das Flugzeug darunter ist in beiden Fällen eines der sichersten Verkehrsmittel, das je gebaut wurde. Und wenn du beim nächsten Flug noch etwas für dein Wohlbefinden tun willst: Wo es an Bord am ruhigsten ist und wo du die meiste Beinfreiheit hast, zeigt dir mein Ratgeber zum besten Sitzplatz im Flugzeug.

Häufige Fragen

Ist die Boeing 737 MAX heute sicher? Nach der Überarbeitung des MCAS-Systems, neuen Trainingsvorgaben und der Wiederzulassung ab Ende 2020 gilt die MAX als sicher und wird von Behörden besonders engmaschig überwacht. Das Türpaneel von 2024 war ein Fertigungsproblem, das zu nochmals verschärften Kontrollen bei Boeing geführt hat.

Welcher Hersteller hatte 2025 die schwereren Unglücke? Die beiden folgenschwersten Unglücke der Jahre 2024 und 2025 betrafen Boeing-Muster (737-800 und 787). Bei Jeju Air spielten Vogelschlag und ein Hindernis an der Piste die entscheidende Rolle, beim Air-India-Absturz lief die Ursachenermittlung zuletzt noch. Ein pauschaler Rückschluss auf die Sicherheit aller Boeing-Flugzeuge lässt sich daraus nicht ziehen.

Sollte ich beim Buchen auf den Hersteller achten? Nein. Achte lieber auf die Airline: Wartungskultur, Flottenalter und Sicherheitszertifizierungen wie IOSA machen den messbaren Unterschied, nicht das Herstellerlogo.

Wie hoch ist das Risiko eines tödlichen Absturzes aktuell? Für 2025 lag das statistische Risiko bei etwa 1 zu 11,5 Millionen pro Flug, die Unfallrate bei 1,32 pro Million Flüge. Zum Vergleich: In den 1970er Jahren lag das Risiko bei 1 zu 264.000.

Welches ist das sicherste Flugzeug der Welt? Mehrere Muster wie der Airbus A340 und A380 sind bis heute ohne tödlichen Unfall. Eine ausführliche Übersicht findest du im Artikel über das sicherste Flugzeug der Welt.

Quellen

Hendrik Mahncke
Hendrik Mahncke
Gründer & Autor von fliegen.de
Seit über zehn Jahren unterwegs für die besten Flug-Deals. Alle Tipps hier stammen aus eigener Reiseerfahrung. Mehr über mich →